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06.06.2018, 22:47 Uhr
Stadtparteitag der CDU Melle
Die CDU Melle hat einen neuen Vorsitzenden
Malte Stakowski übernimmt den Staffelstab von Gerda Hövel, die vor zehn Jahren Ernst- August Hoppenbrock folgte.


Zwiegespräche: Gerda Hövel taucht sich mit Finanzminister Reinhold Hilbers aus, im Hintergrund ihr Nachfolger Malte Stakowski (links) mit Landrat Michael Lübbersmann. Foto: Michael Hengehold
Bericht des Meller Kreisblattes

06.06.2018, 11:59 Uhr

100 PROZENT FÜR MALTE STAKOWSKI
Die Meller CDU hat einen neuen Vorsitzenden

Von Michael Hengehold 
Melle. Der CDU-Stadtverband hat einen neuen Vorsitzenden: Malte Stakowski wurde mit 100 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Gerda Hövel gewählt. Die Landtagsabgeordnete trat nach zehn Jahren nicht wieder an, hatte zu ihrem Abschied aber Finanzminister Reinhold Hilbers nach Melle gelotst.

Es war warm im Forum am Dienstagabend. Warm genug, dass so mancher sein Jackett über den Stuhl hängte und nur anzog, wenn es auf die Bühne ging, wie es Hilbers und der Kreisvorsitzende Christian Calderone handhabten. Landrat Michael Lübbersmann hingegen trug das warme Schwarze zum weißen Hemd auch am Platze.

Der scheidende Vorstand schlug „einstimmig“, wie Gerda Hövel betonte, Malte Stakowski als neuen Vorsitzenden vor. Der 28-Jährige hat Jura studiert und ist derzeit Referendar am Oberlandesgericht Oldenburg, stellte der Kandidat sich vor. Seit sieben Jahren Mitglied im Stadtrat, wisse er, wie wichtig Teamarbeit sei und kandidiere deshalb mit einem Team, einem Mix aus neuen und alten Vorstandsmitgliedern, das später ebenfalls mit überwiegend Höchstzahlen in das jeweilige Amt gewählt wurde.

Die Kärrnerarbeit vor Ort

Stakowski umriss einige Eckpunkte seiner Agenda. So will er mit dem Stadtverband wieder eigene Veranstaltungen auflegen, um nicht nur als Dachorganisation wahrgenommen zu werden. Ortsräte und Stadtrat will er enger verzahnen, auch, um die Kommunalwahl 2021 erfolgreich zu bestreiten. Dazu gehöre ebenfalls, den Ortsverbänden mehr Mitspracherecht zu geben, wie er insgesamt reichlich Streicheleinheiten an die Basis verteilte. An jene, „die die eigentliche Kärrnerarbeit vor Ort leisten.“ Die inhaltliche Arbeit des Stadtverbandes will der junge Vater „neu strukturieren und „breiter aufstellen“.

Kein Bürgermeister-Wahlverein

So mancher im Saal mag aufgehorcht haben, als Stakowski anschließend erklärte, analog zum viel zitierten Wort vom Kanzlerwahlverein sei die Meller CDU kein Bürgermeister-Wahlverein, sondern verstehe sich als „Herzstück“ der Politik der Stadt und wolle selber Themen setzen. Derer es im Übrigen von Digitalisierung über Hochwasser bis zu Finanzen und Ehrenamt reichlich gebe. Da müsse die CDU inhaltlich überzeugen und Abstimmungen „nicht nur mit der Mehrheit“ gewinnen, „obwohl wir die natürlich auch wollen.“ 61 von 61 Stimmen waren der Lohn des überzeugenden Auftritts.

„So spannend wie stilles Wasser“

„Haushaltsdisziplin trotz sprudelnder Steuereinnahmen“ war der anschließende Vortrag von Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers überschrieben. Offenbar ein Wunschthema, nur nicht seines. „So spannend wie stilles Wasser“ sei das, bekannte Hilbers frank und frei und widmete sich zunächst einmal den USA („wenig Beständigkeit, wenig Kurs in der Außenpolitik“). „America first“ führe dazu, „dass es uns allen schlechter geht“, wandte sich Hilbers gegen Protektionismus und Handelsbarrieren; beides nutze langfristig auch den USA nicht. Dem entgegenzusetzen sei die Förderung von Forschung und Entwicklung, der Ausbau von Infrastruktur und Digitalisierung.

Sodann nahm Hilbers sich Europa vor: „Wir brauchen keine Transfer-Union, sondern eine Wettbewerbs-Union“, und die sei mit einer Vergemeinschaftung der Schulden nun mal nicht zu erreichen.

Ein Evergreen des politischen Balzgesangs

Zwar brumme die Konjunktur, aber Wachstum sei nicht gottgegeben, näherte der Lingener sich sodann doch noch dem Sprudel-Thema an, das er von mehreren Seiten beleuchtete: langfristige Perspektiven, Schuldenbremse und -abbau, Glasfaser-Ausbau, Kita-Beitragsfreiheit. Von der profitiere die Mitte der Gesellschaft, „Transfer-Empfänger und Aufstocker“ zahlten ohnehin nicht. Damit der Wohlstand erhalten bleibe, müssten überdies die schwachen, aber eben auch starke Regionen gefördert werden, „sonst produzieren wir nur Mittelmaß“. Das könne es nicht sein, denn „Leistung muss sich wieder lohnen“, brachte Hilbers zum Schluss noch einen Evergreen des politischen Balzgesangs.


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